Baufinanzierung – Falle Sollzinsbindung

© Depositphotos /scanrail

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Noch nie waren die Bauzinsen so günstig wie zum aktuellen Zeitpunkt. Dieser Faktor wirkt sich auf die Schaffung von Wohneigentum aus und animiert Familien und Investoren gleichermaßen, den Wunsch vom Eigenheim oder einer sicheren Anlage in Sachwerten über eine Baufinanzierung zu erfüllen. Hier kommt die Sollzinsbindung ins Spiel, mit der Baufinanzierer werben und sich vor allem auf eine kurzzeitige Zinsbindung mit besonders niedrigem Zinssatz konzentrieren. Doch eignet sich die zu kurze Zinsbindung nicht für alle potenzielle Bauherren und Eigentümer, sondern kann bei Rechenfehlern und einer zu schnell gesetzten Unterschrift direkt in die Schuldenfalle führen.

Damit der Hausbau nicht in die Privatinsolvenz führt

In der Werbung ist keine Rede davon, dass die günstigen Zinsen mit Festschreibung in der Regel nur bei Finanzierungen von 5 Jahren gelten. Grundsätzlich schließen Bauherren und zukünftige Eigentümer die Baufinanzierung über 25 Jahre ab und nutzen die Möglichkeit, günstige monatliche Raten zu tilgen und sich durch die Finanzierung nicht zu überschulden. Das Geschäft mit den garantiert wieder ansteigenden Bauzinsen läuft gut und lässt den Kreditnehmer überlegen, sich für die ersten Tilgungsjahre für ein Zinsschnäppchen zu entscheiden. Dabei passieren drei häufige Fehler, die ein Baudarlehen verteuern und nach Ablauf der Sollzinsbindung zum Problem werden können. Wer anfänglich besonders niedrige Zinsen zahlt, muss mit einer drastischen Zinserhöhung rechnen und steht vor dem Problem, dass sich die vereinbarten Raten nicht mehr problemlos begleichen lassen. Auch wenn die Sollzinsbindung mit kurzer Laufzeit verlockend klingt und eine Ersparnis suggeriert, zahlt der Kreditnehmer in der Regel auf und verlängert die Laufzeit für seine Baufinanzierung um einige Jahre.

Fehler 1 – zu hohe Tilgungsraten

Dank Sollzinsbindung und Niedrigzins werden die Raten zur Tilgung der Baufinanzierung viel zu hoch angesetzt. Enthält die Finanzierung keine flexiblen Rahmenbedingungen, führt die Berechnung der Raten nach Ablauf der Bindungsfrist meist zu Problemen. Schon 2 bis 3 Prozent Zinsanstieg können für Probleme in der Ratenzahlung sorgen und schlimmstenfalls zum Verlust der Immobilie führen. Um die Verbindlichkeit auch nach der Sollzinsbindung problemlos tilgen zu können, sollten die Raten nicht zu hoch und mit Hinblick auf eine Zinserhöhung errechnet werden. Gleiches gilt auch für den Immobilienpreis, der durch niedrige Zinsen nicht höher liegen und außerhalb des realistischen Betrachtungswinkels angesiedelt sein sollte.

Fehler 2 – zu niedrige Tilgungsraten

Viele Baufinanzierung verstehen das Prinzip der Niedrigzinsen falsch und gehen davon aus, für ihren Kredit weniger als bei höheren Zinsen zu bezahlen. Doch ist dies ein schwerwiegender Fehler, denn Niedrigzinsen und damit auch die Sollzinsbindung für einen vertraglich fixierten Zeitraum verlängern die Tilgungszeit. Je niedriger die Raten gewählt werden, umso länger zahlt der Kreditnehmer ab und umso höher ist das Risiko eines sich verändernden finanziellen Backgrounds und den damit einhergehenden Schwierigkeiten.

Fehler 3 – die Zinsbindung ist zu kurz

Eine kurze Frist der Sollzinsbindung lockt mit besonders günstigen Zinsschnäppchen in der Baufinanzierung. Doch der vermeintliche Vorteil entwickelt sich zu einem Nachteil, da die vollständige Finanzierungsdauer und damit der gesamte Kostenfaktor aus dem Fokus geraten. Eine kurze Zinsbindung erweist sich als kontraproduktiv und führt in der Regel dazu, das der Kreditnehmer länger zahlt und am Ende keine Ersparnis erzielt. Oftmals ist es lohnenswerter, die Sollzinsbindung zu verlängern und anstelle des Schnäppchens zu einem leichten Aufschlag, aber mehr Planungssicherheit in der Baufinanzierung zu tendieren.

Die beste Finanzierung wird individuell für den Kreditnehmer ermittelt und beinhaltet eine Beratung, in der über die Risiken der Sollzinsbindung aufgeklärt wird. Mit dem Blick auf das Eigenheim und Niedrigzinsen verlieren viele Verbraucher die Übersicht und neigen zu Fehlentscheidungen. Da es sich bei einer Baufinanzierung um eine langfristige Bindung handelt, sollte der Schnäppchen-Gedanke nicht im Vordergrund stehen und den Blick auf die Gesamtheit trüben. Ein kleiner Aufschlag für eine verlängerte Sollzinsbindung ist für Kreditnehmer meist günstiger.

 

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